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AUS WELCHEN VERSCHIEDENEN BLINKWINKELN KANN "DAS URTEIL" VON FRANZ KAFKA GESEHEN WERDEN?

Denitza Vlaeva

web

Es wird oft gesagt, dass Kafkas Werke sehr schwer zu lesen sind. Als ich meiner Mutter sagte, dass ich einen Aufsatz über Kafka für meine Deutsch-coursework schreiben wollte, sagte sie: "Kafka! Das ist unmöglich!". "Warum?", sagte ich. "Aber alle von seinen Novellen und Erzählungen sind so... krankhaft, so fürchterlich! Und die Sätze sind auch so lang und kompliziert!" Natürlich hatte sie recht (meine Mutter hat immer recht...). Nachdem ich "Die Verwandlung", "In Der Strafkolonie" und "Ein Hungerkünstler" gelesen hat, verstand ich: in allen ging es über Familie, Tod und Folter, Schmerz und Leid, wirklich widerlich! Die Sätze waren tatsächlich lang und kompliziert. Ich dachte aber: "Das ist so anders und so erschreckend, es ist richtig faszinierend!" Eine besondere Erzählung, "Das Urteil", gefiel mir ins besonders wegen der Absurdität und Unkonventionalität. Es ist eine Geschichte, die nicht nur von Tod und Folter handelt. Sie erzählt reizend über Liebe, Freundschaft, Kommunikation zwischen Freunden, und zwischen Vater und Sohn. Sie ist besonders interessant für mich, denn sie stellt ein grosses Paradox dar, zwischen Verwandtschaft und Ergebenheit, das beispielslos mit dem Leben des Autors verbunden ist. Im folgenden werde ich die verschiedenen Blickwinkel Kafkas "Das Urteil" analysieren und werde meine Ideen über diese eigentümliche Geschichte aufstellen.

Man kann leicht argumentieren, dass Kafkas Familie, und sein Vater insbesondere, grossen Einfluss auf sein Leben und seine Werken ausgeübt haben. Kafka wurde 1883 in Prag geboren, er verbrachte sein ganzes Leben dort und lebte immer mit seinen Eltern in der selben Wohnung. Niemand kann aber die Grausamkeit seines Vaters zu ihm mit sicherheit erklären. Helmut Kafka (Kafkas Vater) ist aber eine der Kräfte hinter Kafkas Werken. "Das Urteil" - eine Geschichte von Vater und Sohn - beweist das.

Georg Bendemann will sich für seinen kranken Vater sorgen und liebt ihn sehr. Der Vater aber zeigt keine Zuneigung für seinen Sohn und nach einem Argument verurteilt er Georg "jetzt zum Tode des Ertrinkens!" Ihre Verwandtschaft ist so absurd wie dieser Satz und ich glaube nicht, dass diese Situation und diese Stelle überhaupt analysiert werden können. Am Anfang der Geschichte sind sie beide ruhig und entspannt: "...Das Mittagessen nahmen sie gleichzeitig in einem Speisenhaus ein, abends versorgte sich zwar jeder nach Belieben...". Am Ende greift aber das Verhalten des Vaters gegenüber Georg über ("Du bist ein teuflischer Mann!") und wegen seiner Liebe für seinen Vater, ertränkt sich der junge Mann.

"Das Urteil" ist auch eine Geschichte über Liebe. Am Anfang der Geschichte schreibt Georg seinem Freund in Russland über "Fräulein Frieda Brandenfeld, ein Mädchen aus wohlhabender Familie", mit dem er "sich [..] verlobt hatte". Liebe zwischen Mann und Frau war natürlich sehr wichtig für Kafka. Der Ton der Geschichte ist aber niemals sehr emotionell, auch wenn der Schriftsteller das Thema Liebe ergreift. Ich bin der Meinung, dass Liebe im Gegenteil erstickend für Georg ist, als seine Verlobte alles über ihn und seine Freunde wissen will und er das selbe Leben stützen möchte: "... Ich habe doch das Recht, alle deine Freunde kennenzulernen.", sagte sie. "Ich will ihn nicht stören", antwortete Georg." Liebe und Heirat sind sehr erschreckend für ihn. Das verbindet die Geschichte noch einmal zu Kafkas Leben. Kafka hat sich zweimal verlobt aber heiratete niemals.

Liebe für den Vater ist ein anderer Aspekt des Themas in der Erzählung. Georg ist immer sanft und mitfühlend zu seinem Vater: "Du schonst dich nicht genug... Du bist mir im Geschäft unentbehrlich..." Das ist ebenfalls eine Parallele: Kafka liebte seinen Vater immer, trotz der Beschimpfungen und des Misstrauens. Im Buch antwortet der Vater auch mit Gewalt und zeigt keine Zuneigung zu seinem Sohn.

Ich finde, dass Schuld und Liebe in "Das Urteil" sehr eng zusammen liegen und mit Kafkas Leben verbunden werden. Der Schriftsteller fühlte sein ganzes Leben lang Reue, denn er konnte niemals die Erwartungen seiner Eltern erfüllen. Georg Beldemann liebt seinen Vater aufrichtig und fühlt sich schuldig, wegen der "nicht besonders reinen Wäsche" seines Vaters und er macht sich "Vorwürfe den Vater vernachlässigt zu haben". Er versucht das ungeschehen zu machen: "Ich werde den Arzt holen... Die Zimmer werden wir wechseln..." Die Schuld ist aber zu gross und er ertrink sich durch die Bitte seines Vaters.

Eine der positiven Seiten der Erzählung ist Freundschaft. Der Schriftsteller erzählt die meisten von der Geschichte von Georgs Büro, als er seinem Freund in Russland schreibt. Das Argument zwischen Georg und seinem Vater fängt als dieser Freund erwähnt wird an - sogar Freundschaft ist nicht was sie zu sein scheint. Georg fühlt Hast und Schuld als er seinem Freund über seinen Erfolg und seine Braut schreibt: "Georg hatte keine Lust gehabt, dem Freund von seinem geschäftlichen Erfolg zu schreiben..." Ihre Freundschaft ist nicht lustig und aktiv, Georg sorgt sich, dass sein Freund "keine rechte Verbindung mit der dortigen Kolonie hatte..."; es gibt kein Licht, keine Fröhlichkeit in ihrer Verwandtschaft. Überdies, obwohl der Freund keinen Namen hat und er nur durch seine Briefe spricht, ist er der Grund des Ausbruches Georgs Vater und seines Todes.

Der Tod ist nur zweimal erwähnt ("Du bist ein teuflischer Mensch! Ich verurteile dich jetzt zum Tode des Ertrinkens!" und "Seit dem Tode unserer teueren Mutter..."). Für mich ist er aber ein untrennbares Teil der Geschichte. Er wird vom Vater darstellt; er ist "alt" und "krank", er ist ein "alter verwitwerter" Mann - alle die Attribute die man Tod und Verfall zuschreibt und den erschreckenden Ton der Geschichte feststellen.

In der Erzählung geht es auch um Leben und Existenz: "Sollte man ihm (dem Freund) vielleicht raten, seine Existenz hierher zu verlegen..." Das heisst das Leben ist für den Freund beendet. Deshalb ist der Tod in der Geschichte ein Gegenstand des Zusammenbruches, der Entfernung und des Missverständnises.

Ein weiterer Blickpunkt is jener der Kommunikation in "Das Urteil" und die wird vielmals im Verlauf der Geschichte erwähnt. Das beste Beispiel sind die Briefe, die Georg seinem Freund in Russland regelmässig schickt. Das ist das beste, das sie beiden tun können um mit einander zu kommunizieren. Ich glaube aber nicht, dass Briefe die zahlreichen Überlegungen , die Georg sorgen, vermitteln: "Sollte man vielleicht raten, wieder nach Hause zu kommen, sein Existenz hierhin zu verlegen..." Georg schreibt dem Freund nur über seine Braut, sein Brief ist nicht mehr persönlich und das ist ein weiterer Grund zur Unterdrückung.

Georg hat sich auch vom Vater distanziert, was ebenfalls ein tiefer Fall des Zusammenbruches ist. Nicht nur leben sie in verschiedenen Zimmern, sondern auch weiß Georg nicht, dass sein Vater zu einem Kind ausgetauscht ist: "Ein schreckliches Gefühl hatte Georg, dass an seiner Brust der Vater mit seiner Uhrkette spielte..." Somit erkennt Georg zum ersten mal, dass er seines Vaters Vater sein muss und nichts anders rum.

Schliesslich, gibt es auch das Element des Paradoxen in der Geschichte. Erst beschuldigt der Vater Georg, dass er mit seiner Frau ihn nicht mehr besuchen wolle: "Häng' dich mir nur seine Braut ein und kommt mir entgegen!". Er möchte Georg nur für sich selbst: "Ich fege sie dir von der Seite weg, du weist nicht wie!" Bald danach aber verurteilt er Georg zum "Tode des Ertrinkens" und nennt ihn "einen teuflischen Menschen".

Natürlich, kann man "Das Urteil" als eine total absurde und bedeutungslose Geschichte qualifizieren und deshalb sie leicht abtun. Ich habe eigentlich dasselbe gedacht, als ich die Erzählung zum ersten Mal lass. Dann entdeckte ich aber auch die versteckten Botschaften der Geschichte. Deshalb ist "Das Urteil" für mich eine einfache Geschichte über einen Mann und seinen Sohn, es ist eine absurde Erzählung, denn Georg so stirbt und es ist auch voller verschiedener Blickwinkel. So wird die Geschichte zu einem Paradox, der fast niemand, der keine Kenntnis von Kafkas Leben hat, analysieren kann.

 

 

© Denitza Vlaeva
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© E-magazine LiterNet, 13.05.2000, № 5 (6)